Explosimeter (auch LEL-Messgeräte genannt) sind essenzielle Sicherheitsinstrumente zur Erkennung explosionsfähiger Gas-Luft-Gemische. Sie messen die Konzentration brennbarer Gase in Bezug auf die untere Explosionsgrenze (UEG/LEL) und warnen rechtzeitig, bevor es zu Explosionen oder Bränden kommt.
In der Praxis treten jedoch häufig Bedienungs-, Installations- und Wartungsfehler auf, die die Messsicherheit beeinträchtigen. Dieser Artikel zeigt praxisnahe Schritte, typische Fehler und bewährte Best Practices für einen sicheren und normgerechten Einsatz.
Schritt 1: Das richtige Explosimeter auswählen
- Gasart definieren: Methan, Propan, Butan, Wasserstoff oder Mehrgasmischungen
- Sensorart wählen:
- Katalytisch: robust, weit verbreitet
- Infrarot (IR): driftarm, unempfindlich gegen Sauerstoffmangel
- Messbereich prüfen: 0–100 % LEL (oder darüber für Vorwarnungen)
- Zulassungen beachten: ATEX, IECEx, ggf. SIL-Anforderungen
- Einsatzform festlegen: tragbar (Inspektion) oder stationär (Dauerüberwachung)
Best Practice: Für sauerstoffarme Umgebungen IR-Sensoren bevorzugen.
Schritt 2: Korrekte Platzierung und Installation
- Dichte des Gases beachten:
- Leichter als Luft (z. B. Methan, Wasserstoff) → nahe Decke
- Schwerer als Luft (z. B. Propan, Butan) → bodennah
- Abstand zu Quellen: Nähe zu potenziellen Leckstellen (Ventile, Flansche), aber nicht direkt im Luftstrom
- Vermeidung von Störfaktoren: Keine Montage direkt an Lüftungen oder Zugluft
Typischer Fehler: Einheitliche Montagehöhe für alle Gase – führt zu verspäteter Erkennung. 4-Gas-Monitor überwacht vier Gase gleichzeitig und ist auf der Website erhältlich.
Schritt 3: Inbetriebnahme und Kalibrierung
- Nullabgleich in sauberer Umgebung
- Kalibrierung mit Prüfgas (z. B. Isobutylen als Referenz)
- Alarmgrenzen einstellen:
- Voralarm z. B. 10–20 % LEL
- Hauptalarm z. B. 40–50 % LEL
- Funktionsprüfung (Bump Test) vor dem Einsatz
Best Practice: Kurzer Bump Test vor jedem Arbeitstag, vollständige Kalibrierung gemäß Hersteller (meist 6–12 Monate).
Schritt 4: Richtige Anwendung im Betrieb
- Langsam messen: Besonders bei punktueller Lecksuche, um Ansprechzeit zu berücksichtigen
- Messwerte beobachten: Trends erkennen, nicht nur Alarm abwarten
- Alarm ernst nehmen:
- Arbeit sofort einstellen
- Bereich räumen
- Zündquellen ausschalten
- Lüftung einleiten
Typischer Fehler: Alarm quittieren, ohne Ursache zu klären.
Schritt 5: Wartung und Pflege
- Sensor regelmäßig prüfen: Alterung, Vergiftung (z. B. durch Silikone, Schwefelverbindungen)
- Filter reinigen oder wechseln: Staub und Öl beeinträchtigen Messung
- Batterien/Akkus prüfen: Spannungseinbruch kann Messfehler verursachen
- Software/Firmware aktualisieren, falls vorhanden
Best Practice: Wartungsplan mit festen Intervallen und Dokumentation.
Schritt 6: Typische Fehler in der Praxis (und wie man sie vermeidet)
- ❌ Falscher Sensor für die Umgebung
✅ Sensortyp passend zu Gas, Sauerstoffgehalt und Umgebung wählen - ❌ Keine oder seltene Kalibrierung
✅ Regelmäßige Kalibrierung mit geeignetem Prüfgas - ❌ Falsche Platzierung
✅ Gasdichte, Strömung und Leckquellen berücksichtigen - ❌ Alarm ignorieren oder verzögern
✅ Klare Notfallprozeduren definieren und schulen - ❌ Fehlende Schulung der Anwender
✅ Regelmäßige Einweisung und Praxisübungen durchführen
Schritt 7: Best Practices für maximale Sicherheit
- ✔ Kombination aus tragbaren und stationären Explosimetern
- ✔ Integration in Gebäude- oder Prozessleittechnik
- ✔ Dokumentation von Alarmen, Wartung und Kalibrierung
- ✔ Redundante Sensorik in kritischen Bereichen
- ✔ Regelmäßige Risikoanalysen und Updates der Sicherheitskonzepte
Übersicht: Typische Fehler vs. Best Practices
| Bereich | Typischer Fehler | Best Practice |
| Auswahl | Ein Sensor für alle Anwendungen | Gasspezifische Sensorwahl |
| Installation | Falsche Höhe | Gasdichte beachten |
| Kalibrierung | Selten oder gar nicht | Regelmäßiger Bump Test & Kalibrierung |
| Betrieb | Alarm ignorieren | Klare Notfallmaßnahmen |
| Wartung | Keine Dokumentation | Wartungs- und Prüfprotokolle |
Explosimeter sind nur so zuverlässig wie ihr Einsatz.
Mit der richtigen Auswahl, fachgerechten Installation, regelmäßigen Kalibrierung und klaren Betriebsabläufen lassen sich Explosionen, Brände und Personenschäden wirksam verhindern.
